Freitag, 5. Juli, Red Lodge – Beartooth Pass – Yellowstone NP North – Bozeman ,205 mls

Die Wettervorhersage kündigt „isolated thunderstorms“ an und meldet eine Regenchance von 50%. Es wäre vernünftig, 40 Meilen nach Norden und dann über die I-90 nach Bozeman zu fahren. In guten zwei Stunden wären wir im Hotel, vermutlich relativ trocken, könnten waschen und in Ruhe überlegen, wie wir weiter machen. Das wäre vernünftig. Aber wir haben Urlaub, ich habe keine Lust auf Autobahn, der Wolkenhimmel ist aufgerissen, vom dichten Grau sind nur noch ein paar Schäfchenwolken übrig. Wir fahren zurück. Über den Beartooth Pass, zurück in den Nationalpark. Nix mit vernünftig.

Der Weg nach oben auf den Pass macht mehr Spaß als gestern, weniger vom Wetter als vom Fahrspaß getrieben geht es schnell, die meisten Autos machen freundlich Platz, die anderen können wir überholen. Und solange wir trocken über den Pass kommen, kann uns eigentlich nichts passieren. Denke ich. Bis mir eine Linse verrutscht, erst piekt‘s nur, dann ist sie weg. Ich kann sie noch am Augenwinkel spüren, aber sie hilft halt nicht mehr beim Sehen. Entweder ich mache das linke Auge zu, dann ist die Strecke etwas eindimensional. Oder ich mache beide Augen auf, das ist dann dreidimensional aber leicht verschwommen. Beides doof, aber hier ist kein Platz zum Anhalten. Also fahre ich weiter und bete, dass die zweite Linse bleibt, wo sie hingehört.

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Am Ende ist die Baustelle mit den langen Ampelphasen meine Erlösung. Die Linse ist zerknittert und hart, keine Chance, sie wiederzubeleben. Aber da ich mein Waschzeug mit Ersatzlinsen im Tankrucksack habe, habe ich eine neue Linse im Auge lange bevor die Ampel grün wird. Super.

Die westliche Seite des Passes ist nicht ganz so steil, hat weniger Serpentinen und läßt sich schneller fahren. Wie gestern sind wir schon wieder auf der Flucht vor dem Wetter. Waren da nicht eben Schäfchenwolken? Und wo ist der blaue Himmel geblieben? Noch sieht es dunkel, aber trocken aus, das ändert sich schlagartig, als wir um eine Kurve biegen. Der Himmel ist auf einmal dramatisch dunkelgrau bis zur Straße herunter und es ist ein Wettlauf mit der Zeit ob wir es zumindest trocken bis nach Cooke City, kurz vor dem Parkeingang, schaffen.

Wir verlieren, aber nur knapp, die ersten Tropfen erwischen uns, aber den Großteil des Regens wettern wir beim Brunch ab. Es ist kein Frühstück und eigentlich zu früh für Lunch, aber unerwartet lecker und endet mit zwei Milchshakes. Yummi.

Wir fahren weiter ohne die Regenkombis anzuziehen (haben sie aber griffig). Im Park gibt es die üblichen Staus wegen Tieren, zwei  Proghorns, die auf der Straße auf den dritten im Bunde warten, dann zweimal Aufruhr wegen Bären, die ich im Gegensatz zu den hübschen Proghorns nicht sehen kann, aber ich höre die Leute, eine Rangerin sagt, ja, ein Bär, aber weit weg. Alle strömen hin, nur wir bleiben auf der Straße. Dann ist unsere Trockenpause zu Ende, der Himmel wird wieder dunkler und dunkler, wir fahren direkt auf eine schwarze Wand zu. Okay, es ist Zeit für die Regenkombis. Ich hänge gerade in den Beinen der Kombi fest als Basti mich anstößt: „A Cub“ – unser Bär ist da. Nicht so nah, dass es bedrohlich wirkt, aber wir können ihn deutlich über die Straße hinweg sehen. Foto ist allerdings wieder nicht drin, denn die Kamera ist regensicher verstaut. Inzwischen hagelt es und ich versuche, mir die Kombi so schnell wie möglich anzuziehen, Basti zu helfen, gleichzeitig den Helm zuzumachen, dass es nicht reinregnet und den Bären zu beobachten. Der inzwischen natürlich für den üblichen Stau gesorgt hat. Die Hagelkörner werden größer, mein Mopped steht inzwischen in einem reißenden Bach. Bevor ich wieder auf der Karre bin, habe ich naße Füsse und kleine Seen in den Schuhspitzen.  Egal – ich bin trocken über den Pass gekommen und habe noch Proghorns und einen Bären gesehen. Mehr wollte ich nicht.

Da es kräftig regnet und zwischendurch immer mal wieder hagelt, versuchen wir, diese Phase im General Store in Mammoth abzuwettern. Die Strecke bis dahin ist abzusehen, die Kalkterrassen sind wie eine weiße Wunde in der Landschaft. Das gelingt einigermaßen, als wir weiterfahren hat es zwar nicht aufgehört, ist aber deutlich weniger geworden.

Der Rest der Strecke ist langweilig zu fahren, aber aufregend zu gucken, durch die Wolken wechselt das Licht ständig, eine einzelne Bergkuppe ist hell erleuchtet, der Rest der Welt liegt im Dunkeln. Neben uns findet ein wortwörtlicher Wolkenbruch statt, erst ist es eine dunkle, satte Wolke mit klarem unterem Rand, dann bricht der Rand unten auf, der Grauschleier geht bis zum Boden, da regnet es gerade. Dann wieder eine Lücke blauer Himmel aber direkt daneben ein paar Blitze. Was ein Glück, das wir inzwischen auf die hellere Seites des Himmels zufahren.

Kurz nach dem Parkausgang wurde vor Wild auf der Straße gewarnt. Jetzt sind rechts und links Zäune und dahinter ein paar Bisons. Wenn die Zäune nur dazu da sind, die Straße vor den Bisons oder die Bisons vor den Autos zu schützen – wer ist dann im Moment eigentlich eingesperrt, die oder wir?

Je weiter wir nördlich kommen, desto trockener wird es und die Regenkombi wird zur Sauna.

Aber wir sind keine 20 Meilen mehr von Bozeman entfernt auf der Autobahn, also fahren wir weiter. Wir sind wieder in Montana, keine Ahnung, wie schnell man auf deren Autobahnen fahren darf, aber mit 80 mph sind wir nur etwas schneller als die anderen. Was sich leider in einem Überholmanöver von Basti gefährlich auswirkt: Er schert so knapp vor dem Auto wieder ein, dass mir das Herz stehen bleibt und der Wagen kräftig bremsen muß. Basti hat – später darauf angesprochen – nichts mitbekommen.

Wie gestern macht uns das Wetter einen Strich durch den Stadtbummel. Es gibt Bringpizza und wir entscheiden für Waschtag und einen kurzen Gang ums Hotel.

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