Samstag, 13. Juli, Coeur D’Alene – Harrison – Clarkston, 160 mls

Ich will schnell raus aus dem Raucherzimmer, bilde mir ein, dass meine Haare und überhaupt alles nach Rauch riecht. Also schnell duschen, anziehen, packen, raus. Auf der I-90 hängt Basti hinter einem Wohnmobil und bleibt und bleibt dahinter. Die Straße ist frei, das Wohnmobil langsam – ich verstehe es nicht und überhole erst Basti und dann das WoMo. Kurz danach kommt unsere Ausfahrt. Keine Ahnung, ob das WoMo auch hier abgebogen ist, aber das war meine Horrorvorstellung: Eine schnuckelige kleine Straße und wir hinter einem 15 mph rollendem Hindernis.

Aber wir sind alleine auf der wunderschönen Strecke östlich des Sees Coeur D’Alene. Die Straße folgt jeder noch so kleinen Bucht des Sees und der hat hier im Norden viele davon. Wir sind ein paar Meter über dem Wasser, zwischen uns und dem See sind Häuser. Wir sehen nur die Dächer und die Zufahrten. Die Straße flutscht nur so unter uns durch, kurvig, nett, leer. Super.

Ich bringe es lange nicht über mich zu halten, es gibt keine Parkbuchten, es sind alles Zufahrten und durch die vielen Kurven auch immer erst spät zu erkennen. Der erste Stopp ist daher zwischen zwei Seen, ein gerade Strecke, einfach am Straßenrand. Die vielen Seerosen sind mir schon an anderen Gewässern hier aufgefallen, alles eher flach und daher flächig bewachsene. Sieht bestimmt irre aus, wenn die Seerosen blühen, wirkt jetzt auch schon nett.

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Ein paar Meilen später gibt’s dann den ersten Kaffee und einen kleinen Spaziergang zur öffentlichen Marina von Harrison. Früher gab es Schaufelraddampfer für den Holz- und Minentransport. Ein Schild warnt vor verseuchter Erde, Minenreste. Die Idee, mit Stegen in der Marina einen kleinen Schwimmbereich abzugrenzen, finde ich prima – aber ob im Wasser auch Schwermetalle zu finden sind? Die Kinder stört’s nicht. Das Wasser ist klar. Es ist schwer, vor Gefahren, die man nicht sehen, hören oder fühlen kann, Respekt zu haben.

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Die Strecke hat weitere Überraschungen für uns parat, nachdem sie das Seeufer verlassen hat, bleibt es kurvig. Jetzt fahren wir durch Land, das eindeutig bearbeitet wird, Vieh- und Holzwirtschaft. Einige Hänge sind kahl, man kann den Zickzack der Straßen zum Abtransport hangabwärts erkennen. Direkt daneben eine Fläche mit hohen und dahinter ein Fläche mit niedrigen Bäumen. Dadurch, dass wir direkt darauf zufahren, wird die Holzwirtschaft hier sehr deutlich. Neben uns verschwinden zwei Rehe im hohen Wald.

Dann wird es weniger Wirtschafts- und mehr Naturwald, die Bäume sind höher und es gibt mehr Unterholz, die Straße schwingt sich angenehm einen Hügel hinauf und dann wieder herunter. Wir halten an einer Abzweige, die für mich nach einem Waldweg aussieht. Kurz darauf kommt erst ein Auto heraus, dann will eines hinein. Bei den wenigen, die hier vorbeikommen ist das schon eine Menge. Hinein will ein Sheriff. Wir hatten ebene noch über den wenigen Austausch mit den Leuten hier gewitzelt, prompt hält der Sheriff an und Basti und er unterhalten sich. „Call us, if you need something“ verabschiedet er sich. Och, nee, nett gemeint, aber wenn keiner von Euch da ist, stört es nicht, dass wir ein bißchen zu flott unterwegs sind.

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Bald hört der Wald auf und wir kommen ins Farmland. Weite Wiesen und Felder in den unterschiedlichsten Grün- und Gelbtönen. Und der Blick ist auf einmal wieder weit. Das grüne Getreide wiegt sich im Wind, es sieht ganz weich und fast lebendig aus. Wie Wasser in einer Bö oder das Fell eines langhaarigen Tieres.

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Nach einer Kurve ändert sich das Bild wieder. Was mir nicht bewußt und auch nicht erkennbar war: Wir waren bisher auf einer Hochebene. Jetzt schrauben wir uns in eine Schlucht hinunter, rechts und links Sandberge, in der Mitte ein Fluß: Clearwater. Die Straße wird vierspurig, der Verkehr nimmt zu, es wird städtisch. Wir kommen an einer alten Brücke vorbei, die sich unerwartet und dadurch umso mächtiger gegen die Hügel auf der anderen Seite des Flußes abhebt. Warm ist es hier, deutlich wärmer als am See und der Hochebene. Wie gut, dass es nicht mehr weit ist.

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Mit Clarkston sind wir wieder in Washington, nur knapp, aber damit liegt auch Idaho hinter uns. Morgen und übermorgen wird es wieder Oregon werden und dann sind wir für die letzten Tage endgültig zurück in Washington.

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Basti: Ja, unser Freund und Helfer….

Eine sonnige gewundene Straße durch den Wald, Rena entscheidet an der Einfahrt in einen Waldweg zu halten und eine Pause zu machen. Aus purer Gewohnheit stellen wir uns an den Rand der Einfahrt essen ein paar Bananen, Rena macht Bilder und der Tag ist einfach schön. Erst wird unsere vermeintliche Ruhe durch einen Wagen gestört der aus dem „Waldweg“ kommt, und ich bin froh, daß ich mit einem menschlichen Bedürfnis noch etwas gewartet habe, dann herrscht wieder Ruhe.

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Kurz bevor wir entscheiden wieder aufzubrechen biegt ein SUV in den Waldweg ein, im letzten Moment sehe ich den Sheriff-Aufdruck auf der Tür. Ich hasse die modernen Blaulichter, die sind kaum höher als ein Dachgepäckträger. Drin sitzt ein Milchgesicht von Anfang 20 mit der obligatorischen, ultracoolen Sonnenbrille. Vorwärtsverteidigung, wir haben ja nichts Böses angestellt,  also freundlich auf Ihn zugehen und grüßen. Er ist professionell interessiert: wo fahrt Ihr hin, wo kommt Ihr her. Bei meiner Aussprache von Coeur d’Alene ergibt sich die Frage woher wir sind automatisch – Germany, good – meldet Euch halt falls irgendwas ist, wir sind für Euch da. Zum Abschluß noch die Frage ob der Notruf auch in Deutschland 911 ist, kann ich verneinen und versichern, daß die US-Notrufnummer seit dem 11. September weltweit bekannt ist. Nur gut, daß mein „Bedürfnis-timing“ gepasst hat – das hätte ich Ihm nicht erklären wollen.

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  1. Quentinsnigh

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