Archiv für den Tag: 30. Juni 2013

Sonntag, 30. Juni, Afton – Jackson – Grand Teton NP – Coulter Bay Village, 136 mls

Sonntag erkennt man daran, dass der Parkplatz vor der Kirche, sorry, nein, vor den Kirchen voll und der vor dem Supermarkt leer ist. Die Luft ist angenehm, ganz anders als der Start gestern.  Nach einer guten Stunde Fahrt gibt es Frühstück im Yankee Doodle Cafe, wo wir auch online gehen können um den Beitrag von gestern hochzuladen. Das Kaffee ist eine einzige Hommage an USA, alles Balu-weiß-Rot, ein paar Adler, Tassen, Skier, Turnschuh, Teller – was immer eine US-Flagge hat, hängt an der Wand. Der Besitzer selber ist die größte Show: Ein Schulter mit der Flagge, die andere Schulter mit dem Reiter aus Wyoming mit hinterlegter Flagge tätowiert. The Land of the free, thanks to the brave. Von geschmackvoll oder dezent ist dabei nicht die Rede. Das Essen ist lecker, der Kaffee auch.

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Schnell sind wir in Jackson, entscheiden uns aber nach einer kurzen Ehrenrunde, lieber den Hintereingang in den Grand Teton National Park zu nehmen. Lieber kleine krumme, als volle gerade Straßen. Jackson selber ist, teils echt, teils nachgebaut auf alt gemacht und voller Souvenirläden Hotels. Wir biegen ab und kommen südlich Richtung Teton Village. Auf einer der Karten sah das aus, als käme man nur von Norden rein und als sei es eine Sackgasse. Aber hier war ein Schild, also probieren wir es auch. Die Neugierde verschafft uns dann doch noch unser erste Schotterpiste hier, die wir bisher so erfolgreich vermieden hatten. Aber wenn ich die Karte richtig deute, sind es höchstens 2 Meilen. Außerdem ist es nicht immer Schotter,. Manchmal kommt uralter Asphalt durch. Anstrengend und warm ist es trotzdem,  bloß nicht stehen bleiben aber schneller als 20mph geht auch nicht.

Belohnt werden wir durch eine schmale, schöne Straße, teils durch Birkenwäldchen, teils durch offenes Land, wenig befahren und schön zu gucken.

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Und dann sind da die Grand Tetons, alpenartig, hoch, die Gipfel mit Schnee, davor  Hochebene, manchmal Nadelwäldchen, manchmal Wasser. Wir hangeln uns von Fotostopp zu Fotostopp, gehen am Jenny Lake ein bißchen spazieren und fahren die Signal Mountain Road hoch. Immer wieder tolle Bilder, Wasser und Berge gibt einfach etwas her. Ich spiele mit der Kamera, versuche mich and er unterschiedlichen Einstellungen, aber meistens ist die Automatik (noch) besser als ich.

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Dann verlassen wir den Park und die Schilder fangen an vor einer Baustelle zu warnen, 30 min Verzögerung möglich, einspurige Fahrbahn. Aber wir haben Glück, bevor die Straße wirklich eng wird, biegen wir links zu unserer Übernachtun ab. Es ist wieder eine Cabin, aber diesmal richtig im Wald (wenn auch eine von vielen) und aus rohem Holz gezimmert. Niedlich.

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Es gibt eine Marina, ein Restaurant  und einen Generalstore, viele Möglichkeiten gute Bilder zu machen, zudem die Sonne langsam untergeht. Es gibt allerdings auch Heerscharen von Mücken. Nach einem kurzen Spaziergang bin ich völlig zerstochen und Basti hat nichts. Wie unfair, daher wird es auch nichts mit dem gemütlichen vor der Hütte sitzen, nach einem kurzen Versuch und zwei weiteren Bissen flüchte ich in die Guest Lobby – hier gibt es einen Schreibtisch, Licht, WLAN und keine Mücken.

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Basti: Jackson ist im Winter ein erlesenes Plätzchen zum Skifahren mit dem anspruchsvollen Skigebiet Jackson Hole. Dadurch, daß es aber in der Hochebene liegt, erlaubt es auch ausgiebige Touren Sommers wie Winters. Es ist aber nichts für eine Pause, zumal es dort immer noch sehr warm ist. Und jetzt machen wir auf Natur, an jedem zweiten Schild an den Wegen der Anlage (Camping und Cottages sowie die erwähnten Annehmlichkeiten) wird vor Bären gewarnt und gefragt, ob man auch sein Bärenspray dabei hat. Irgendwie befremdlich, da ich in Deutschland rumlaufen kann wo ich will und höchstens Angst vor dem Verlaufen haben muß (OK, Wildschweine sind auch nicht zu unterschätzen).

Samstag, 29. Juni, Salt Lake City – Logan Canyon – Hwy89 – Afton, 208 mls

Als ich morgens das Motelzimmer verlasse, trifft mich der Schlag, so unerwartet warm ist es. Okay, die Abluft der Klimaanlagen tut sicherlich das ihre dazu, aber so richtig abgekühlt hat es sich in der Nacht nicht. Der Weather Channel hat Rekordtemperaturen in Las Vegas versprochen – wie gut, dass wir nur aus Salt Lake City raus müssen und uns dann in die Berge, jetzt die Rocky Mountains, schrauben können.

Die ersten 40 Meilen gehen über die Autobahn, einfach nur raus, mit ausreichenden Fahrtwind um nicht schon morgens einzugehen. Haben wir alles oder wenigstens das meiste von Salt Lake City gesehen? Ganz bestimmt nicht, aber wir haben genug gesehen. Rena an Basti: „Willst Du noch an den See?“ Basti: „nee, ist Wasser mit Salzrand.“ Okay.

Logan Canyon ist niedlich, ein kleines Flüßchen mal rechts oder links neben uns, so flach, dass es von den Steinen im Wasser aufgewirbelt wird und daher  reißend schnell aussieht. Die Kurven gleichmäßig mit gutem Radius gebaut, so dass wir mit gutem Tempo durchkommen. Respektive durchkommen könnten, wenn da nicht dieser weiße Ford vor uns rumschnecken würde. Er denkt nicht daran Platz zu machen und es kommt und kommt keine Passing Lane. Grummel. Aber irgendwann ist es dann doch soweit und wir kommen mit dem Harleyfahrer vor uns vorbei. Hurra. Am Scheitelpunkt –Scenic View- halten wir, werfen einen kurzen Blick auf den Bear Lake und fahren weiter. Den kompletten See entlang stehen Schilder über Historical Marker, aber so gut die Scenic Views sind, die Historical Marker sind nix. Da steht ein Schild auf dem in heldenverehrenden Worten eingraviert ist, was hier mal passiert ist. Und mehr nicht. Keine Reste, keine Ruinen, keine Spuren. Nie. Hier stand mal ein Fort – so what? Soweit ich die Überschriften erhaschen kann, drehen sich alle Historical Marker um den Oregon Trail. Werd ich mal im Internet nachlesen. Vielleicht. Ob die hier oder 5 mls weiter gehalten haben, interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht.

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Vom See aus wird es nochmal schön, weiter auf dem Hwy 89, sind es schnelle, schöne, weite Kurven, ganz leer, nur für uns. Die paar Autos machen Platz oder es ist gerade die Chance vorbeizukommen. Jaaaaa. Gib mir mehr! Wir kommen durch Paris und Montpelier, wobei hier das erste kleiner ist als das zweite. Eines der Dörfer oder auch ein anders, ich weiß es nicht mehr genau, hat genau 100 Einwohner. Ist da jeder mit jedem Verwandt? Zumindest kannst Du nichts anstellen ohne dass deine Mutter es morgen von der Nachbarin erfährt.

Seit Montpelier gucken wir nach einer Unterkunft, aber wir sind im Nichts, da gibt es keine Motels. Wie gut, dass wir diesmal ans Tanken gedacht haben. Aber mittendrin steht dann doch ein Store mit Inn. Wir halten auf der Straße, überlegen, ob die da übernachten wollen, da hält ein Golfcaddy neben uns, ob wir Probleme hätten. Nein, wir überlegen nur ob wir hier übernachten wollen. Die Antwort ist nicht so ermutigend, dass wir bleiben, zudem der freundliche Hundebesitzer (auf dem Beifahrersitz sitzt ein riesiger schwarzer Hund, sein Kopf  ziemlich genau auf Augenhöhe mit mir) meint in 45 min kommt der nächste Ort und da gäbe es auch Zimmer. Und so kommen wir nach Afton, der Ort, der stolz darauf ist, die längste Elkhorn-Bridge der Welt zu haben. Ich würde behaupten, es ist auch die einzige, wer macht so etwas Albernes? Über die Straße spannt sich ein großer Metallbogen, an den Geweihe angebunden, irgendwie drumgewickelt sind. Sinnfrei und nicht wirklich schön. Ich sehe einen Harley-Fahrer, der im Fahren ein Foto mit dem Handy von dem Ding macht. Also auch noch gefährlich.

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Wir finden ein Bett. Das erste Mal haben wir eine Cabin statt eines Motelzimmers. Es ist ein einfaches Ferienhaus, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, davon 10 Stück nebeneinander. Die Bikes sind vor der Veranda angebunden.

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Wir gehen essen – mit den schlechtesten Fritten ever, halbroh. Naja, ist gut für die Linie wenn wir sie nicht essen, wir haben beide zugenommen in den letzten Wochen. Kann nicht an dem ständigen Fastfood liegen, oder?

Jetzt sitze ich auf der Veranda, höre Straßen- und Vogellärm. Es ist so warm, dass ich mich in den Schatten verziehe. Das habe ich vermisst, seit Las Vegas ist es immer so warm, dass keiner von uns draußen sitzen will. Wir verbringen zu viel Zeit in klimatisierten Zimmern, einfach weil man draußen kaum atmen kann. Jetzt ist es immer noch warm, eine Anzeige im Dorf hat 90°F gesagt, es geht ein leichter Wind – alles gut.

Basti: Wir sitzen gerade beim Frühstück in Alpine in einem typischen Cafe mit WiFi und haben so die Chance den Beitrag von gestern hochzuladen. Die Cabins waren zwar groß, aber ohne technischen Schnick-Schnack. So wird es auch in den nächsten Tagen sein, da einige Unterkünfte in Yellowstone eher „basic“ sind, also nicht verzagen wenn mal kein neuer Beitrag da ist und einfach am nächsten Tag 2 Berichte lesen 🙂