Mittwoch, 10. Juli, Whitefish – GNP – Hwy89 – Hwy49 – Hwy2 – Whitefish, 192 mls

Glacier National Park (GNP), die zweite, diesmal die komplette Going-to-the-sun- Route über den Logan Pass hinweg und dann außen südlich um den Park herum zurück.  Bis zum Logan Pass halten wir nur zwei, dreimal – Fotos an den Plätzen machen, an denen ich gestern nicht stoppen wollte, meistens weil wir gerade einen Deppen überholt hatten. Es gibt ein paar schöne Stromschnellen am McDonald Creek und wir staunen, wie Leute auf die andere Seite kommen. Nach eifrigen Wanderern sehen sie nicht aus. Am nächsten Parkplatz entdecken wir das „Geheimnis“, es gibt hier eine Brücke. Schön. Schön finde ich auch, dass Pferde auf der Brücke Vorfahrt haben.

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Weiter geht es, der Weg bergauf ist sehr, sehr beschwerlich weil anscheinend noch mehr Leute als gestern meinen die Natur aus dem Auto heraus bewundern und fotografieren zu wollen. Mal eben mitten auf der Straße stehen bleiben, den Tablet aus dem Fenster halten aber ja nicht an den Rand fahren und das klimatisierte Gefährt verlassen – so genießt der Amerikaner die Natur. Oder mit 10 mph langsam bergauf tuckern…. Dabei macht die Straße ab 35 mph richtig Spaß, wenn man schwindelfrei ist. Es geht schon sehr steil und sehr weit rechts runter. Wir fangen an zu überholen und dadurch gibt es immer wieder ein paar Strecken – bis zum nächsten Deppen halt. Einmal die Going-to-the-sun-Road ganz für mich alleine haben, ohne Verkehr bei ausreichend Licht und trockener Straße – vermutlich einer dieser unerfüllbaren Wünsche.

Nach dem Logan Pass wird es besser, leerer, weniger dramatisch, daher auch weniger Ich-halte-wo-ich-will-um-meine Fotos-zu-machen-Fahrer.

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Entsprechend geht es schneller und bald sind wir am Jackson Glacier Lookout. Ich hatte einen dramatischen Gletscher erwartet, was ich sehe ist ein Rest Eis hoch oben am Berg. Nach Schätzungen sind bis 2030 alle Gletscher aus dem GNP verschwunden, mit nicht absehbaren Folgen für die Natur. Aber der Amerikaner an sich läßt gerne stundenlang den Motor laufen damit es ja nicht warm wird im Auto. Ach, ich bin ja nicht besser, mit zwei Moppeds durch die Gegend zu gondeln ist sicherlich kein Umweltschonender Urlaub. Aber ein bißchen Mitdenken würde nicht schaden.  Einfach mal den 8-Zylinder-Pickup, in dem maximal 2 Personen sitzen ausmachen, wenn man anhält. Und akzeptieren, dass es draußen warm, ja sogar heiß ist.

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Auf demselben Parkplatz halten zwei Moppeds, dreckverschmierte Reiseenduros aus Orgeon, die nach strecke aussehen.  „Finally another driving girl“ sagt die eine der beiden Fahrerinnen bevor sie sich dem Gletscherrest zuwendet. Und sie hat so recht, bis auf ein weiteres Frauenpaar, fahren sonst immer die Männer. Schon in Deutschland sitzen mehr Mädels auf dem Bitchseat statt am Lenker, aber hier ist es noch extremer. Warum eigentlich?

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Weiter geht es, raus aus dem Park. Der Hwy 89 beschert uns großartige Blicke, ich versteh, warum Montana von sich als „Big Sky Country“ redet. Wenn keine Berge im Weg sind, geht der Blick bis ins Unendliche. Und wenn Berge im Weg sind, dann sind sie gleich großartig. Dazu gibt es tolle Kurven, die umso besser sind weil sie total unerwartet sind. Ich hatte gedacht, dass es nach dem Park gerade oder bergab geht, stattdessen geht es bergauf und dann wieder runter und wieder rauf – die wahre Freude.

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Wir halten in Kiowa. Nach meiner Karte ist es ein Ort, nach dem, was wir sehen ist es eine Kreuzung mit einem Cafe, das schon mal deutlich bessere Tage gesehen hat. Oder vielleicht auch nicht, es ist das erste Cafe mit Dixiklo vor der Tür. Ich verzichte, da sind mir die Plumpsklos in den Parks lieber. Auch wenn einem da schon mal eine kalte Brise um den Allerwertesten weht. Das Essen ist okay, die Cola kalt, weiter geht es. Der Hwy 49 beschert uns noch ein paar dramatische Blicke, der ist echt unerwartet großartig. Okay, das Pflaster ist schlecht, aber die Blicke und die Kurven – gebt mir mehr davon, es ist viel zu kurz.

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Der Hwy 2 ist schnell und schön, wir halten noch mal am Fluß und lassen uns das letzte Wasser schmecken. Wie schade, dass ich nicht einfach die Füsse ins Wasser stecken kann. Aber das sind die Nachteile beim Moppedurlaub, ein paar Dinge sind einfach deutlich aufwendiger als mit dem Auto. So Kleinigkeiten wie ein Handtuch dabei haben oder einfach kurze Hosen anhaben oder sogar einen Rock – keine Chance.

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Nach knappen 8 Stunden und knappen 200 Meilen sind wir wieder im Hotel. Kurz hinter Logan Pass hat mein zweiter Kilometerzähler genullt und wir haben weitere 1.000 Meilen hinter uns gebracht. Inzwischen sind es 6.000. Das Problem dabei: Es ist noch so viel Zeit am Ende der Strecke übrig. Natürlich könnten wir Tagestouren ab Seattle machen, aber wäre nicht dasselbe. Also beginnen wir zum einen Umwege (vielleicht doch zum Hells Canyon?) und kürzere Etmale (Aber was machen wir denn den Rest des Tages wenn wir nicht schlagkaputt von 200 mls auf’s Bett fallen?) zu planen. Mal sehen, was daraus wird. Jedenfalls sind wir heute die letzte Nacht in Whitefish, haben uns heute Abend noch das Städchen angesehen, essen und trinken unsere Vorräte vom Kaufrausch vor ein paar Tagen auf/aus und lassen den Tag ausklingen. Wie heißt es hier: “Let’s call it a day.“

Basti: Ja, heute haben wir die langsameren Fahrer als Pylonen benutzt 🙂

Auch diese schmale verwinkelte Straße gibt immer mal wieder einen Sichtbereich her, den unsere Moppeds sicher durcheilen können. Hier machen die 100+ PS auf über 2000m üNN Sinn, denn so bleibt genug Power um vorbei zu huschen. Ich gebe zu, daß ich sonst auch echt in meiner Langmut getestet worden wäre. Ich konnte teilweise nicht im ersten Gang hinter den Autos herfahren, sondern mußte mit schleifender Kupplung fahren da ich mit Standgas im Ersten zu schnell war.

Da wir gestern und heute von Westen über den Logan Pass gefahren sind, sind wir auch zweimal durch die Baustelle gefahren. Fester lehmiger Untergrund ist fast wie Asphalt, sobald er aber naß wird ist er erstens glitschig und zweitens auf den Moppeds wie Zement. Die Karren sehen aus wie Sau! Mal sehen wann wir wieder Beachboys und Bikinischönheiten finden die unsere Moppeds waschen wollen, sonst bleibt das womöglich an mir hängen.

Ich bin auch gespannt ob die Forscher Recht behalten und die Gletscher aus dem National Park 2030 verschwunden sind – benennen die dann den Park um??

Ursprünglich hatten wir für durchschnittliche Tagesetappen von 100 Meilen geplant, nur mit Etappen wie heute bleibt am Ende der Strecke einfach noch Zeit über.

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